Boy live, Foto: arena berlin_flickr

Wer das Radio einschaltet, der droht, von einer Flut aus schnulzig-poppigen Songs überschwemmt zu werden. Englischer Pop ist eine Modeerscheinung, die seit ihrer Entstehung in den 80ern komischerweise nicht mehr verschwindet. Brit-Pop kann jeder machen, der glaubt, ein paar Sätze aneinanderfügen zu können. Nicht einmal ein Instrument muss man beherrschen, das macht heutzutage doch eh alles der PC. Ab und zu gibt es jedoch „Wunderkinder“, die aus der Masse der Poppigen herausstechen.

So auch die deutsche Band „Boy“. Hinter dem maskulinen Namen verbirgt sich jedoch nicht ein einzelner Junge, sondern zwei junge Damen. Sonja Glass und Valeska Steiner schwimmen zwar in dem Meer der Gleichgesinnten mit, schaffen es aber doch, sich auf eine klitzekleine Art und Weise von der Masse abzuheben.

Ihr Debütalbum „Mutal Friends“ hat alles, was ein ordentlicher Pop braucht: Rhythmusgitarre, E-Bass, Drums, hübsche Sängerinnen. Und dennoch gibt es Unterschiede, die die Qualität der Band steigen lassen. Zum einen wäre da die akzentfreie Aussprache der beiden Mädels. Sowas ist selten, wenn Deutsche versuchen, Englisch zu singen. Zum anderen liegt es daran, dass Steiner und Glass nicht – wie sonst im Pop-Business üblich – nur die Schmerzen und Schönheiten der Liebe besingen. Im Gegenteil. Es geht um Themen, die so banal sind, dass jeder sich schon einmal mit ihnen auseinandergesetzt hat. „Waitress“ zum Beispiel ist ein Song, der von einer Kellnerin handelt. Moment mal, die besingen wahrhaftig eine Kellnerin? Jawohl, und genau das ist das Besondere. Jeder spricht davon, dass die kleinen Dinge des Lebens nicht geschätzt werden. Und exakt diese Fähigkeit besitzt „Boy“.

Und außerdem ist es schön, dass sich die beiden, abgesehen vom Bandnamen, nicht schämen, einfach weiblich zu wirken: romantisch, verspielt, bezaubernd.